Obst und Gemüse aus Großmutters Garten
 
 

Der ländliche Garten diente in der Vergangenheit viel stärker als heute der Selbstversorgung mit Obst und Gemüse. Historische Überlieferungen belegen, daß sowohl der Artenbestand als auch die formale Gliederung der Gärten einem stetigen Wandel unterlagen.

Anschaulich wurde diese Entwicklung für die Besucher des Freilichtmuseums Diesdorf in diesem Jahr. Neben dem bereits vorhandenen Bauerngarten der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts waren erstmals zwei weitere Gärten aus der Zeit um1770 bzw. 1825 zu sehen. Spezielle monatliche Gartenführungen gaben den interessierten Besuchern die Möglichkeit, Näheres zu den Ernährungsgewohnheiten der Altmärker in den vergangenen 250 Jahren zu erfahren. Heil- und Gewürzpflanzen wurden in ihrer früheren und heutigen Anwendung erläutert. Im Juli wurde eine Veranstaltung zum Thema "Der Bauerngarten - gestern und heute" mit anschließender Verkostung seltener Gemüsearten wie Gartenmelde und Teltower Rübchen durchgeführt.

Das diesjährige Erntedankfest am 3. Oktober stand unter dem Motto " Allerlei Fruchtiges". Der Heimatverein Diesdorf e. V. überraschte die Museumsbesucher mit leckeren Marmeladen, Kräuteressig, Kräuteröl sowie Pellkartoffeln mit Quark. Flüssiges in Form von Obstsäften und -weinen der Diesdorfer Mosterei Stefan Schulz fand wieder großen Anklang. Diese seit Anfang des Jahrhunderts existierende Firma ist heute über die Grenzen der Altmark hinaus bekannt. In einer Obstausstellung waren etwa 70 alte Sorten aus der Region zu sehen, einige davon konnten verkostet werden. Fast vergessen und sehr selten sind inzwischen einige Lokalsorten geworden, z.B. "Altmärker Goldrenette" und "Altmärker Brautapfel". Ein junger Brautapfelbaum konnte in diesem Herbst im Freilichtmuseum Diesdorf gepflanzt werden. Damit ist diese Sorte, die im Hochzeitsbrauchtum bis etwa 1900 eine wichtige Rolle spielte, vorerst vor dem Aussterben bewahrt worden. Den Abschluß der diesjährigen Gartensaison bildete ein Lichtbildervortrag über den echten mannshohen Altmärker Braunkohl, der in den Museumsgärten erhalten wird. Der in traditioneller Weise zubereitete Braunkohl schmeckte den Teilnehmern ausgezeichnet und so konnte jeder noch etwas Saatgut für den Anbau im eigenen Garten mitnehmen. In Ergänzung der Bundesgartenschau "BUGA ‘99" in Magdeburg bietet das Freilichtmuseum Diesdorf / Altmark auch 1999 mehrere Termine zum Thema "Kulinarisches" aus der Altmark an:

R. Heller (TEIL 1)
C. Lehmann M.A. (TEIL 2)
Leiterin der Museen
des Altmarkkreises Salzwedel
GEDICHT

De ollmärksche brune Kohl

Kümmt de Wynachtstied heran,
Is de Winter frisch,
Steit by Bur un Eddelmann
Brunkohl up den Disch.

Grön-Kohl is män Kräpelquark,
Werd män handhoch lang,
Brun-Kohl wäßt in unse Mark
Mannshoch dörch de Bank.

Kohl hält Lief un Seel tosamm,
Is en nährig Krut;
Doavon süht de Ollmarkstamm
Ok so handfest ut.

Johann Jakob Wilhelm Bornemann
(1766 – 1851)
Auszug
Tourier | Städte | Magazin & Archiv | Suche | Impressum & Kontakt